So ihr Lieben!

Ich habe ja nun schon mehrfach meingrünes Wollkleid“ erwähnt. Es gehört zu dem aktuellen ProjektPrincess for all days„, welchem ich noch den Zusatz1″ geben möchte, da dieses Thema für mich zeitlebens nicht beendet sein wird, und es hoffentlich noch weitere Ausgaben geben wird.

Die Geschichte des grünen Wollkleides begann an zwei Orten: Dem Forum der Hobbyschneiderin, wo ich ein Kontingent von 12 alten Burdas ergattern konnte, und zum anderen in einem Solinger Stoffgeschäft, welches wegen Umzug einige Schnäppchen für mich hatte. Der grüne Wollstoff war spottbillig, nur leider recht knapp bemessen. 2,30 Meter waren nur noch übrig. Bei dem Preis (wenn ich mich recht erinnere waren es 2 oder 3 Euro der Meter) hätte ich auch den ganzen Ballen gekauft.

Der Stoff fiel mir in die Hände, kurz nachdem ich die Burda 10/99 in dem 12er Paket in die Finger bekam. Ich habe dort ein Kleid gesehen, mit dem mich Liebe auf den ersten Blick verband, und der grüne Stoff war der ideale Partner für dieses Kleid. Ich finde, das Kleid hat was mittelalterliches, wenn auch mit einem absolut simplen Schnitt! Durch die Länge und Wahl des Materials und der Accessoires kam schon bei Burda dieser ganz spezielle Look mit einer Mischung aus Tradition und Moderne zustande. Seht selbst:

Nur leider war mein Stoff exakt 50 cm zu kurz! In meinem übergroßen Optimismus habe ich dann den Schnitt aus dem Heft kopiert. Dabei habe ich zum ersten Mal die Nahtzugaben gleich drangezeichnet, wie wir es von den Schnitten aus Amerika kennen.
Wenn ich alles gleich mit 1,5 cm Nahtzugabe zuschneide, UND an meiner NäMa diesen Abstand mit Klebeband markiere…. dann spare ich mir das Markieren der Nahtlinien mit Kreide UND das mühsame Stecken mit steter Kontrolle, ob die Nahtlinien denn auch brav aufeinander treffen.
Auch hier kam der allerletzte Anstoß von Sonnenschein: In ihrem Blog hatte ich gesehen, dass der BurdaMaßschnitt ebenfalls mit bereits angezeichneten Nahtzugaben geliefert wurde! Weiter so, Burda!

Ich habe also den von mir abgeänderten Papierschnitt auf meine 2,30 Meter Stoff gelegt. Klar war der zu kurz! Da kam mir in den Sinn, dass ich in letzter Zeit schon oft diese „mittelalterlichenKleider gesehen hatte, bei denen der vordere Saum um einiges kürzer ist, und der hintere in einer Schleppe ausläuft. Jau! Das wollte ich! Und ganz nebenbei kann man dabei 50 cm Stoff einsparen.
:-D
Gedachtgetan! Ich hab dann denzu langenSchnitt auf den Stoff gelegt und alles so lange hinund hergeschoben, bis der gekürzte Saum auf den Stoff passte. Gar nicht so einfach bei 5 fast körperlangen SchnittTeilen, denn trotz Verlängerung gibt mein Küchentisch nie die benötigte Länge für lange Kleider her (Sponsor für Nähzimmer gesucht) Also schieben, schieben, schieben.

Da der Stoff ja so wenig gekostet hatte, konnte ich danach beherzt drauflosschnippen. Sah auch gut aus. Bei der Anprobe war ich über die Passform enttäuscht. Sooo weit sollte das Kleid ausfallen? Ich hatte alle Masse besonders sorgfältig abgenommen. Im Nachhinein denke ich, das Kleid soll wirklich recht schlabbrig fallenaber ohne mich. Also alles wieder enger gemacht. Was ich absolut hasse bei Wiener Nähten. Was man am Stoff ändert und hernach auf den Papierschnitt überträgt, ergibt beim Futterden man ja dann nach dem geänderten Schnitt nähteine völlig andere obere Kante. Besser kann ich das nicht erklären. So richtig verstehen tue ich es auch noch nicht, da es mir bisher erst 2 mal passiert ist. Ich lerne das noch.

Also Papierschnitt geändert. Ich pfeiff auf die Bequemlichkeitszugaben:

Wie man sieht habe ich an der hinteren Mitte recht viel weggenommen. Sehr gut könnt ihr hier auch die angezeichneten 1,5 cm sehen, die meine Nahtzugabe sind.

Weiter gings mit dem FutterZuschnitt. Bei der Gelegenheit habe ich dann auch ein Bild von den abgeschnittenen Säumen gemacht. Vorne kurzhinten langdas war doch mal ein sehr beliebter Männerhaarschnitt in den 80ern, oder?

;-)

  
Typisch ich: Das dritte Teil was da jetzt fehlt, habe ich schon verschlampt
Ich habe alle auseinandergeschnittenen Teile markiert, damit ich sie später wieder zusammensetzen kann, um das Kleid innormaler“ Länge zu nähen. Bei der vorderen Mitte ist mir mal wieder ein Flüchtigkeitsfehler unterlaufen: Ich wollte eine Schräge in den Saum des vorderen Mittelteils einbauenleider falsch rum. das sah sehr komisch aus, der spitze Zipfel in der Mitte, weil der Saum zur Mitte länger wurde (da das Schnittteil ja halbiert ist, wird aus einer verkehrten Schräge dann eine Spitze)

Zähneknirschend habe ich das dann begradigtwieder ein paar Zentimeter verloren. Aber im Nachinein finde ich es sogar besser…. das passiert mir oft: Gutes Gelingen aus Versehen. (Bob Ross nannte das immer einen „Happy Accident„)

Heute habe ich dann endlich das ganze Gefummel zusammengenäht, Futter mit Wolle. Der Ausschnitt ist unter aller Kanone geworden. Wenn ich den Anblick nicht ertrage, kommt eine Borte drüber. Das ist dann wieder so ein Happy Accident *lol*

Genug gelabert: Ich habe ein erstes Foto für euch. Die Ärmel müssen noch verstürzt werden (wenn ich weiß wie ich das am einfachsten machen soll) und der Reißverschluß muss noch rein, was auf meiner Liste der verhassten Arbeiten ganz oben steht. Theoretisch komme ich auch ohne RV rein, aber wie wieder heraus? Also muss ich da wohl durch.
Was ich mit dem Saum mache, weiß ich noch nicht. Ich muss erst mal drüber schlafen. Da der Wollstoff sehr dick ist, und mir der schöne glatte Fall des einlagigen, also nicht umgenähten Saumes im Moment gut gefällt, dachte ich „Hey, warum nicht mal diese schrecklicheoffenkantige“Verarbeitung ausprobieren?“ Ich habe den Stoff auch nicht an den Nahtzugaben abgekettelt, da franst nichts. (Der Futterstoff hingegen franste auf dem Weg vom Zuschneidetisch zur Overlock!!!)

Also lasse ich den Saum vielleicht sogar kackfrech unbearbeitet. An den Nahtzugaben ein paar Sicherungsstiche, den Futtersaum nochmal gleichmässig abgekettelt, fertig. Mal sehen.
Hier meine erste Version desgrünen Wollkleides“ es ist sehr schlicht und soll es auch sein. Dazu kommen dann später Mantel, Bluse und mehr. Da ich ein ähnliches Kleid als DruidenVerkleidung im Larp habe, weiß ich, dass ein solches Kleid mit darunter getragenen langärmligen schwarzen TShirt super aussehen (ich hatte es auf der Spielemesse bereits ausprobiert) Außerdem erwarte ich mir ungeahnte StylingMöglichkeiten durch den vorne kürzeren Saum: Mit meinem SpitzenRüschenGlitzerRock darunter wird es romantisch, mit einem einfachen, glatten Rock sehr puristisch, undwenn ich gar die geplante lange, weite Hose darunter tragesogar avantgardistisch.

Die Farben des Fotos sind grottig. Mit Blitz und einem Stoff, der Licht aufsaugt, ging es nicht besser. Wenn ich es morgen fertig bekomme, liefere ich ein Foto mit Bärbel drin nach. Am liebsten würde ich schon mal ein paar Stylings ausprobieren, aber das wird wohl warten müssen, bis ich von der Kreativwelt in Essen zurück bin.

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