Wir haben einen Kirschbaum. Das ist an sich nichts Ungewöhnliches, aber dieser Baum steht schon da, seit ich als Kind raufgeklettert bin und- gefühlte- Stunden damit zugebracht habe auf seinen Zweigen zu hocken und nach dicken süßen Kirschen zu angeln.

Heute käme ich ohne Leiter nicht mehr hinein. Und an die Kirschen käme ich nur, wenn meine Arme 4 Meter lang wären. Kann ein Baum in 40 Jahren so sehr wachsen?

Meinen Kirschbaum erkenne ich nicht wieder, aber das wird dem Baum mit mir ebenso ergehen. Nun stehe ich unten, schaue nach oben und sehe dort kiloweise die leckeren Früchte vor sich hin reifen.

Dabei hat der Baum zwei verschiedene Sorten. Eine, die im Moment fast schwarze leckere Kirschen liefert, und eine mit später reifenden Früchtchen. Aber außer an eine Handvoll Kirschen im unteren Astbereich ist kein Rankommen an die Dinger.

Darum muss der Baum unbedingt einen „Haarschnitt“ bekommen. Ich bin bereits ein paarmal reingeklettert und den meterlangen Ästen mit der Säge zu Leibe gerückt. Das Pflücken wird dann sehr einfach, einfach runter vom Baum und den abgesägten Ast plündern. Letztes Wochenende konnte ich auf diese Weise den Düsseldorfer Stricktreff beim Weltweiten Tag des öffentlichen Strickens mit einer Kirsch-Schwemme beglücken.

Gestern kamen weitere Äste runter. Ich habe meinen Mann in den Baum gejagt, denn für Baumschnitt in dieser Höhe bin ich zu schissrig.

Schon beim Knipsen wird mir schwindelig! Als die Äste dann zu Boden gingen, gab es Kirsch-Matsche. Einige Früchte fielen der Schwerkraft und stürzendem Holz zum Opfer, und da die Kirschen überreif und saftig am Zweig hingen, sah es aus wie Blut. Die armen Kirschen! Gemordet von mir und meinem Gatten.

Aber das Ganze ist für einen guten Zweck. Für Marmelade. Und die Schnitt-Aktion geht weiter, der Baum hat immer noch viel zu lange Äste. Diese tragen zwar in cirka 5-6 Metern Höhe reichlich, aber in Ermangelung von stabilen Ästen für die Leiter kann man sie nirgends pflücken.

Wir hoffen nun, daß der Baum uns das nicht übel nimmt, im nächsten Jahr neu austreibt, und uns wieder eine so reiche Ernte beschert wie in diesem Jahr. Wir alle lieben Marmelade.

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