Haus und Garten || house and garden

Von Möhren und Mäusefängern



Als ich die Mutter unserer beiden Katzen sah, war es Liebe auf den ersten Blick. In meiner Kindheit hatten wir genausoeine Mieze auf dem Hof rumlaufen, niemals im Haus. Hunde und Katzen waren das, was sie auf dem Lande auch noch heute meistens sind: Nützlich. Und keine Schmusetiere.

Aber diese Katze war besonders. Sie war rot getigert, und entgegen der landläufigen Meinung, daß rote Katzen immer Kater sind, erfreute sie sich einer sehr zahlreichen Nachkommenschaft aus eigener Produktion.

Irgendwann vor meiner Zeitrechnung muss sie in eine Falle geraten sein, denn sie hatte nur noch einen Stummelschwanz. Als ich Kind war, war die rote Katze schon da.Und sie war die letzte Katze, die ums Haus gehalten wurde, denn sie hat alle ihre Nachkommen überlebt. Zuletzt bekam sie eine Kiste im Hühnerstall und ihr Gnadenbrot, zahnlos und mehr tot als lebendig, doch sie wird für mich immer der Inbegriff einer Katze bleiben.

Als ich nun diese rote Katze in der Wohnung meiner Freundin sah, war ich hin und weg… „meine“ Katze“ Normalerweise mag ich Katzen nicht, und sie mögen mich nicht. Aber dieses struppige Viech hätte ich glatt klauen können. Das sagte ich meiner Freundin, und sie meinte nur „kein Problem, ich hab ein paar davon“ Sie zeigte mir das „Kinderzimmer“ der roten Katze, wo ihre 8 Babys überall herumwuselten. Sie hatte vor kurzem geworfen!

Zu dem Zeitpunkt wohnte ich noch im ersten Stock, und ich will keine Tiere in die Wohnung einsperren, die nach draußen gehören.

Doch kurz darauf verstarb meine Oma und da wir plangemäß als ihre Wohnungsnachfolger galten, hatte ich schon 1 Woche später das Telefon in der Hand um meine Katzen-Freundin anzurufen. „Hast Du noch die Katzenbabys?“

Klar hatte sie. Und zwar die freie Auswahl. 4 rote Kater, und 4 schwarz-bunte Schwestern. Nun ja, wenn man sich schon eine Katze anschafft, kann man ja gleich noch eine nehmen, gell? Dann ist der Trennungsschmerz für das Katzenkind auch nicht so schlimm. So zogen vor rund 2 Jahren die beiden Katzen „Möhre“ und „Ruby“ bei uns ein. Ratet mal, welche von den beiden Möhre heisst? 🙂

Ruby ist eine Glückskatze. Sagt man mir immer wieder. Weil sie 3farbig ist. Früher wär mir das egal gewesen, aber seit wir Ruby und Möhre haben, können wir uns das Haus ohne die beiden nicht mehr vorstellen.

Ich wollte immer einen Hund, aber Hunde bedeuten weit mehr Verantwortung. 4 Mal am Tag Gassi gehen, immer den richtigen Mampf im Napf, Grundstück einzäunen etc. Darum haben wir keinen Hund. Aber seit wir die beiden Miezen haben, brauchen wir auch keinen mehr. Die kommen angerannt wenn wir nach Hause kommen. Die schmusen sich an uns ran, so daß wir manchmal kaum einen Schritt gehen können. Abends liegt Ruby auf des Hausherren Schoß, ihrem Stammplatz. Möhre daneben im Chefsessel. Wir haben ein 2,5 Meter mal 1,5 Meter Sofa für die Familie gekauft, aber ratet mal, wer das belegt?

Und ich hätte nie geglaubt, wie unterschiedlich Katzen im Charakter sein können. Ruby ist eine Diva. Möhre der bodenständige Landmann. Madame macht sich nie dreckig und verbringt viel Zeit mit Körperpflege. Der rote Kater kommt matschig und nass mitten in der Nacht von der Jagd heim und fläzt sich erstmal auf dem Sofa.

kater01Und das in völlig unmöglichen Schlafstellungen. Wenn Möhre pennt, scheint er zu träumen er macht Peterchens Mondfahrt, denn er liegt meist auf dem Rücken und verbiegt sich dabei sehr merkwürdig. Guckt mal:

Aber das Allerbeste, eine „Zugabe“ an die ich vor 2 Jahren im Leben nicht gedacht hätte: Die beiden sind astreine Mäusefänger. Ich wusste gar nicht, wieviele Mäuse rund ums Haus leben! Schon am zweiten Tag, als die kleinen süßen Miezen das Haus nach einer zweiwöchigen Eingewöhnungsphase verlassen durften, kam Möhre mit einer Maus angelaufen. Cool. Die Mutter war Freigänger und hat es ihren Kindern aus dem Effeff beigebracht.

maus01Denkt ihr, was ich denke? Genau: Wühlmaus. Nachdem ich die Gänge gefunden hatte, habe ich sie meinen beiden Jägern gezeigt. Ruby- typisch Diva- hat sich nicht sonderlich dafür interessiert. Aber Möhre ging auf die Lauer. Und irgendwann hörten die Übergriffe der Maus auf mein Gemüse auf. Vor einigen Tagen bekam ich dann ein tolles Geschenk von meinem Möhrchen: Eine lebende Wühlmaus!

Um genau zu sein: Er brachte sie heim um noch ein bisschen mit ihr zu spielen. Das machen Katzen gern, sie nehmen sich quasi noch ein bisschen Arbeit mit nach Hause. Gelegentlich schafft es eine Maus im Haus in unzugängliche Winkel zu entschwinden, aber bis auf einen Fall haben die Katzen sich ihre Beute immer zurückholen können. Der eine Fall endete damit, daß die Maus es sich unterm Kühlschrank hinter einer Blende fast 2 Wochen lang gemütlich gemacht hatte. Als ich dann entnervt von den Geräuschen die Blende entfernte und Ruby die Maus fassen konnte, lagen hinter den Blende fein säuberlich die Vorräte der Maus aufgereiht. Sie hatte sich am nur wenige Zentimeter entfernt stehenden Napf der Erzfeinde bedient. Clever, aber eben nicht clever genug.

Die letzte Maus aber, die mein Kater mir brachte, kam mir merkwürdig vertraut vor. Er ließ sie ein paarmal laufen, und ich habe schnell ein Einmachglas geholt, um mir das pelzige Etwas näher anzusehen. Und was soll ich sagen: Laut google Bildersuche war das eine Wühlmaus, mein Erzfeind Nummer eins! Klein, pummelig und totaaaaal niedlich!

Aber es ist und bleibt eine Wühlmaus. Meine Familie plädierte dann dafür, das Knopfauge auf dem angrenzenden Feld freizulassen, aber das kommt nicht in die Tüte! Die kommt zurück und frisst wieder mein Gemüse. Nix da!

Ich habe sie dem etwas verwirrten Kater zurückgegeben, und er hat sie vorschriftsmäßig verspeist. Und so soll das auch sein: Katze frisst Maus. Und wer das herzlos findet sollte darüber nachdenken, was in den Dosen mit Katzenfutter drin ist. Nein, keine Mäuse. Aber irgendein anderes Tier, und ich will nicht wissen wie die da rein gekommen sind.

Seit auf meinem kleinen Acker keine Mäuse mehr gesichtet wurden- weder direkt noch indirekt- ist meine Topinambur zu ihrer finalen Höhe gewachsen. Ich dachte ja, als angenehmen Nebeneffekt zur Knollenzucht kann ich mich an hübschen Blumen erfreuen. Das kann ich auch, allerdings von unten!

Die größte Topi ist locker 2,50 Meter hoch! Das heisst, ich sehe die Blüte nur aus der … äh… Ameisenperspektive. Frösche hat es hier keine, also auch keine solche Perspektive. (Hat das jeder verstanden?)

topinambur01

Seht ihr das große Blatt quer im Bild rechts? So Anfang unteres Drittel? Das ist meine Augenhöhe. Und ja, die sind noch nicht ganz aufgeblüht als ich das Foto gemacht habe. Seitdem blühen sie wunderschön, und ich habe mir einen hübschen Blumenstrauß abgeschnitten. Normalerweise hasse ich Blumen in der Vase, weil es mir widerstrebt schöne Pflanzen nur zum Zwecke des kurzfristigen Dekorierens einer Wohnung zu töten. Aber die Topi kommt bei mir noch öfter in die Vase, denn erstens wachsen da massenhaft Blüten, zweitens sehe ich die von unten eh kaum und drittens habe ich die Topis ja wegen den Wurzeln angebaut, die Blüten sind mir in diesem Fall wurscht.

Eine andere Wurzel in meinem Garten heisst „Urmöhre“. Weil die angeblich uralt ist, also die Sorte, nicht meine Möhre. Diese Möhren entwickeln roten Farbstoff bei der Reife, was ulkig ausschaut, wenn man sie in Scheiben schneidet. Weniger schön ist der Umstand, dass das Kochwasser einen rötlichen Farbton bekommt, in Verbindung mit Erbsen wird das irgendwie lila. Igitt.

Aber schmecken tut es. Zumals die Erbsen auch aus meinem Garten sind, und ich stolz wie nur was…. Ihr dürft mal in meine Töpfe gucken:

erbsenundmoehren01

Ja ja, unscharf. Aber alle anderen Fotos waren schlimmer, weil das Objektiv vom Kochdunst beschlug, hehe. Seht ihr die roten Möhrchen? Ulkig, was?

Wo wir gade bei ulkig sind: Eine Möhre hat mich regelrecht überrascht, als ich sie aus der Erde zog. Weil sie nicht alleine da raus kam. Sie hat ihren Liebsten- oder ihre Liebste- engumschlungen mit in den Möhrentod gerissen.

moehre01

Ist das nicht herzallerliebst?

Sowas wächst in meinem Garten! Aber nicht nur mein Gemüse ist bekloppt, auch die Leute die mich hier besuchen. Eine neue Bekannte aus Leichlingen musste die obligatorische Gartenführung durchstehen, und bekam zur Belohnung eine Zucchini für das Abendessen. Und die Frau hat einen noch größeren Knall als ich (ich nenne keine Namen, hihi). Nimmt die Zucchini, den kleinen Stoffbeutel den ich ihr aus meinem Fundus für den nächsten Mittelaltermarkt gegeben habe, und fragt nach einem Edding. Und was dabei herauskam, das will ich euch heute als Schlußbild zeigen: Voila, Mr. Zuck Inie. Er ist zwar ein richtiges Landei, aber trotzdem „zum Anbeißen“.

In diesem Sinne: Es gibt mehr Dinge in Bärbels Garten, als unsere Schulweisheit sich träumen lässt. 😉

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