Wisst ihr was ein Hamster ist? Klar wisst ihr das. Aber ich meine damit jene niedlichen Tie…, äh Menschen, die alles und jedes sammeln und in ihre Backen, respective Taschen/Autos/Keller/Dachböden stopfen.

Ich bin schon immer ein Hamster gewesen. Doch seit ich in meinem liebsten Gartenforum den Hamster-Thread gefunden habe, weiß ich dass ich damit nicht alleine bin.

Dort wird gerafft was das Zeug hält. Wir tauschen Tipps und Tools, mit denen man mehr sammeln kann als je ein Gärtner zuvor.

Ich darf mit ein wenig Stolz verkünden, dass eine Idee zum kostenlosen Raffen von Gartenzeugs auf meinem Mist gewachsen war. Und das kam so:

Nachdem meine Großmutter – die meinen heutigen Garten vor mir beackert hat – verstorben war, besuchte ich das Grab mit meinem Onkel. In einem Grünabfallcontainer in der Nähe lag ein kleiner Buchsbaum, ausgerissen und wurzelnackt aber grün. Ich fragte mich, warum jemand ein so hübsches und nicht ganz billiges Pflänzchen weggeworfen hat. Und nahm ihn mit. Mein Onkel sagte dann den verhängnisvollen Satz:

„Das ist einem Freund neulich auch passiert, da war der ganze Container voll mit Buchs.“

Oha! Ich hatte Feuer gefangen.
Klar, man sagt man sollte Nichts vom Friedhof oder dem Krankenhaus mitnehmen. Ich glaube aber nicht, dass es die Dauer meines irdischen Daseins irgendwie beeinflussen kann wenn ich Grünzeug aus einem x-beliebigen Mülleimer klaube.

Ich war danach noch öfter auf dem Friedhof. Kein Grab meiner Verwandtschaft habe ich so oft besucht wie Oma, und dabei konnten wir uns nicht mal leiden. Aber ich besuche sie trotzdem, denn wenn ich schon auf dem Gottesacker „ernte“, dann muss ich mich ja bei irgendjemand bedanken.

Und erfolgreiche Hamsterfahrten auf den Friedhof haben einen Rhytmus: Frühling und Herbst sind normalerweise die Zeiten, zu denen Gräber gepflegt und neu bepflanzt werden. Das ist durchaus verständlich, verblühte oder vertrocknete Erica will niemand mehr sehen wenn ringsum alles mit frischem Grün erstrahlt. Und das Verblühte wird dann meine Beute. Denn vieles ist ja nicht tot, nur nicht mehr hübsch und frisch.

So fand ich erst kürzlich hunderte (ungelogen!) weiße Erica im Müll. Und Buchse, Primeln sowie Ziergräser in teilweise stattlicher Größe. Und Glockenheide. Ich habe alles mitgenommen, außer den Massen weißer Erica. In einem Jahr wird Friedhofs-Kompost draus…

Ich nehme natürlich nicht ein Blättchen von einem Grab, bewahre! Aber ich habe brav vor meinen Plünderungen der Mülleimer den Gärtner vor Ort gefragt und dieser schien froh zu sein nun etwas weniger entsorgen zu müssen.

Töpfe sind dort meist flach und mit Steckmasse beklebt. Davon habe ich nun genug und ich lasse weitere liegen. Doch die weißen Primelchen haben nun bei mir ein zweites Leben, und blühen so schön als würden sie sich bei mir bedanken wollen. Der kleine Buchs, den ich vor Jahren beim ersten Besuch nach der Beerdigung gefunden hatte hat sich übrigens erholt. Und hat schon Kinder bekommen. So lebt doch alles weiter… irgendwie.

Facebook Comments
  1. Totgeglaubte vor dem Tode bewahren ist doch eine schöne Hamstereigenschaft…

    Und bald fängt wieder die Hamstersaison in den Gartencentern an, wenn überall kleine Samen von den Stauden in kleine Tütchen wandern. – Is ja nur, damit sie für den Verkauf wieder frisch aussehen die Stauden…

  2. Genau meine Meinung. Außerdem sind manche Friedhöfe schöner als jeder Stadtpark, man sollte da mal einen schönen Spaziergang machen. Ich denke nicht dass man jemanden stört, schließlich sind die Bewohner alle… na, ihr wisst schon.

  3. Hehe, leere Blumentöpfe hab ich aus Friedhofsmülleimern auch schon mitgenommen. Ist schon idiotisch, die Gräber alle paar Wochen wieder mit neuen Pflanzen zu bepflanzen und die alten wegzuwerfen – von Nachhaltigkeit keine Spur. Aber wahrscheinlich „macht man das so“, und „was sollten denn die Leute denken“ usw.

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