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Nicht nachgemacht



Es gibt Leute die kopieren schamlos andere Ideen. Und es gibt Leute, die hassen das.

Schon vor Jahren brachte mich meine Näh-Freundin Aud auf den Boden der Tatsachen zurück: Es gibt nichts was es nicht schon gibt. Oder so ähnlich.

Ich wollte Neues erschaffen. Innovativ sein. Es ging ums Häkeln. Ich habe es immerhin geschafft, bereits Bestehendes zu verfeinern, verbessern und neue Akzente zu setzen. Mehr als das ist sehr, sehr schwer möglich heutzutage.

Es gibt bereits so Vieles, was andere erfunden, erprobt und vorgedacht haben. Damit erzähle ich euch wirklich nichts Neues. Doch was bedeutet das für den Einzelnen? Wenn er oder sie es hasst andere nachzumachen? Untätig zu bleiben weil es ja doch nichts gibt das nicht schon jemand vor mir gemacht hat?

Das wäre eine schlechte Lösung. Und jede Kreativität würde zum Erliegen kommen. Denn wie man so schön sagt ist nichts so beständig wie der Wandel. Vergessen wir also den hochgesteckten Anspruch etwas Neues zu erfinden, und begnügen uns mit Variationen.

Kein Genie hat jemals etwas völlig Neues erfunden. Sie alle hatten Vordenker, Vorreiter und eine Basis an bereits bestehendem Wissen und Ideen. Künstler variieren oder drücken den Zeitgeist aus, haben diesen aber nicht erfunden. Und jede kleine Veränderung ergibt aus einem größeren Abstand betrachtet mit allen anderen kleinen Veränderungen zusammengenommen eine große Veränderung.

Denkt man an heftige Bewegungen zum Beispiel im Bereich der Mode- welche deutlicher Ausdruck des Zeitgeist ist- dann kommt selbst die auffälligste Veränderung nicht aus dem Nirgendwo. Ich muss dann häufig an die 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts denken. (Man bedenke dass wir in nur 9 Jahren die nächsten 20er einleiten!) Der Rocksaum rutschte quasi über Nacht um bisher undenkbare Längen nach oben. Ausdruck einer großen gesellschaftlichen Umwälzung.

Hochgestochene Worte durch einen winzigen Anlass: Ich habe dieses dumme pinkfarbene Blümchen gemacht, weil ich dachte es wäre neu, zumindest neu für euch. Tage später sehe ich das gleiche Blümchen an einer New Yorker Dame, und gestern stolperte ich über exakt die gleiche Technik (mit mehr Stoffkreisen) in der aktuellen Burda-Style. (für ein Kropfband).

Es gibt nichts Neues unter der Sonne. Ich habe es nicht nachgemacht, aber es war unnötig es neu zu erfinden. Das gab es schon. Das wird immer und immer wieder passieren, dass man etwas findet, was andere schon vorher zigfach gefunden haben. Darum sollte man aber nicht damit aufhören zu suchen.

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