DIY Häkeln || crochet

Häkelkörbchen standfest machen



kordelhaekeln018 Tage nicht mehr hier gewesen. Ich erzähle ja oft, ich arbeite an mehreren Projekten gleichzeitig. Vor einer Woche kam ein Neues dazu, welches sich gewiss noch Monate hinziehen, und einen großen Teil meiner geistigen Aufmerksamkeit an sich binden wird. Ich möchte wieder ein Buch schreiben. Zu diesem Thema allein könnte ich Romane schreiben, aber die ersten Kapitel von dieser Kopfgeburt will ich euch heute ersparen. Und statt dessen ein Uralt-Projekt der Öffentlichkeit vorstellen: Das Kordel-Häkeln, oder auf englisch „cord crochet“.

Versucht erst garnicht, das auf guggel zu finden, ich finde es selber nicht. Darum habe ich mir den Namen auch grade erst ausgedacht. Es mag sein ich habe in meinem kollektiven Unterbewusstsein nur eine uralte Technik wiedergefunden, aber diese Entdeckung fundierte bei mir auf einem ganzen Strang von Vorgeschichten. Ich weiß, das wird jetzt etwas langatmig, aber es ist mir wichtig zu beschreiben, wie ich auf diese ganze Idee kam:

Zunächst waren da die Hanfkorsetts der Kostümschneider, die mir auf meinem Weg durch die Jahrhunderte begegnet sind. Eine alternative Möglichkeit Schnürmieder zu nähen fand ich bereits vor Jahren auf dieser hochinteressanten Seite: In nova corpora. Nachdem ich den link lange Zeit verloren glaubte, habe ich ihn just in dieser Minute wiedergefunden. Und ja- ich glaube an Schicksal. Hätte ich euch schon vor Jahren von der Technik erzählen sollen, ich hätte es rechtzeitig gefunden. Heute hat es sein sollen.

Mit der Technik der Hanfschnur-Verstärkung im Hinterkopf habe ich schon vor rund 3 Jahren begonnen, mir ein Mieder aus Wolle mit Hanfschnurverstärkung zu häkeln. Ja, ihr habt richtig gelesen: Häkeln. Denn mir ging immer wieder durch den Kopf, dass gehäkelte „Stoffe“ zwar weniger elastisch sind als gestrickte, für manche Einsatzgebiete aber immer noch zu nachgiebig. Vor allem Taschen finde ich sowohl gestrickt als auch gehäkelt immer wieder zu dehnbar. Es will sich mir nicht erschließen, warum alle Welt Häkeltaschen fertigt, die dann zur Stabilisierung gefüttert werden müssen. Das Stoff-Futter sorgt dafür, dass sich die Tasche nicht bis in die Unendlichkeit ausleiert. Warum dann nicht gleich eine Stoff-Tasche nähen?

Um nun ein Häkelwerk absolut unnachgiebig zu bekommen, habe ich an dem Mieder die Hanfkordel-Technik der oben verlinkten Schnürmieder getestet. Und für gut befunden. Der Grund, warum ich euch heute dieses Mieder nicht zeige, ist simpel: Ich habe es verschlampt. Sorry.

Darum habe ich mir heute vorgenommen, diese Technik auf von Grund auf auf ihre Möglichkeiten auszuloten. Denn eine anderes Thema der Häkelwelt stört mich auch immer ungemein: Häkelkörbchen die nur mit Stoff-Steife Stand bekommen. Dafür habe ich nun- endlich- eine neue Methode gefunden, um das Ausleiern jeglicher Häkelbehälter- seien es Taschen oder Körbe- zu verhindern.

Falls jemand eine Quelle findet, wo es diese Technik bereits gibt, bitte ich um einen hilfreichen link. Ich habe bisher keine Vorgabe dazu gefunden.
Um die Technik von klein auf zu dokumentieren, beginne ich heute mit dem einfachsten denkbaren Projekt: Einem Häkelkörbchen.

Der Grundgedanke des Kordelhäkelns ist einfach: Man umhäkelt eine Kordel. Dies verhindert- genau wie bei den Korsetts- dass das Material sich dehnen kann. Für die Kordelhäkelei braucht man feste Schnur und beliebiges Garn mit der passenden Häkelnadel. Dabei ist allzu dünnes Garn nicht geeignet, es sei denn man möchte die Kordel durchblitzen lassen.

Um einen Häkelkorb herzustellen beginnt man natürlich mit dem Boden. Der Einfachheit halber habe ich mit einem Kreis angefangen. Wie man Kreise häkelt kann man in unzähligen Tutorials im Internet und Häkelbüchern nachlesen, ich erspare mir das.

Sobald die gewünschte Größe erreicht ist, häkelt man mit gleichbleibender Maschenzahl weiter nach oben. Dabei habe ich die Schnur in der ersten Reihe eingelegt und lasse sie beim Häkeln einfach mitlaufen, indem ich jede feste Masche um die Kordel herum arbeite. Im rechten Bild sieht man den Anfang der Schnur in den Maschen.

kordelhaekeln03

Im weiteren Verlauf der Arbeit empfehle ich bei runden Körbchen ein gleichgroßes Behältnis zur Hand zu haben, und die Arbeit immer wieder „anzuprobieren“. Dies macht es leichter, die Kordel in der Arbeit in dem korrekten Umfang festzuziehen. Ohne diese „Anprobe“ kann das Körbchen im Umgang variieren, was natürlich auch einen tollen Effekt ergeben kann, falls gewünscht.

kordelhaekeln04

In der letzten Reihe wird der Arbeitsfaden durchgezogen und vernäht, die Kordel wird abgeschnitten (um zu zeigen wie sie aus der Arbeit herausragt habe ich sie für das Foto nicht abgeschnitten) Um ein dekoratives Satinband einzuziehen, habe ich ohne die Schnur mitlaufen zu lassen eine Runde Stäbchen gehäkelt, durch die ich das Band dann gezogen habe. Die Schnur wurde danach weiter in der folgenden Runde fester Maschen mitgeführt.

kordelhaekeln02

Das Körbchen ist nun fertig und gibt nicht mehr nach, egal was ihr hineinfüllt. Wenn man diese Technik weiterdenkt, kann ich mir auch sehr gut vorstellen anstatt der Schnur einen Draht einzuarbeiten, mit dem man das Körbchen dann in eine bestimmte Form drücken oder „knautschen“ kann.

Das nächste Projekt in dieser Technik wird für mich eine Tasche sein. Und falls ich das Mieder wiederfinde zeige ich es euch. Drückt die Daumen, dass es wieder auftaucht….

Facebook Comments
  1. ialev-lü

    Hallo, bin mal wieder auf der Suche nach neuen Ideen. Da ich ständig „stäbel“, bekomme ich auch viele Reste geschenkt und bin gerade dabei für eine Puppenmutti Kochgeschirr zu häkel oder stricken. Bis jetzt habe für den Stand alles mir Haarlack oder Speißestärke fixiert. Werde das mit Deiner Kordeltechnik mal kombinieren. Erstmal danke und weiterhin tolle Ideen.

    • Cool! Zeig mir unbedingt die Ergebnisse! Die Kordel verhindert, dass es sich dehnt, d.h. in der Waagerechten ausdehnt. Es kann dennoch seitwärts umkippen, also im Ganzen, aber hat deutlich mehr Stabilität wie ohne Kordel. In etwa so wie gefilzte Körbe!

      Viel Spaß beim stäbeln (kannte ich gar nicht den Ausdruck), denn Häkeln rules! 🙂

      Bärbel

  2. Vielen, vielen Dank für den Tipp. Habe es ausprobiert und es funtioniert so, wie e soll.

  3. Anonymous

    Also ich finde die Kordel-Idee gut. Möchte euch hier noch eine andere Art, ein Häkelkörbchen fest zu kriegen mitteilen: Um Ostern herum habe ich Körbe aus Paketschnur und Wurstgarn (ist fast weiß) gehäkelt und diese anschließend in Tapetenkleister getaucht und über einem passenden Behälter (Dose, Vase o.ä.) trocknen lassen. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen. Sie sind steif wie Beton. Liebe Grüße!!

  4. Sehr cool, das werd ich doch glattweg im Urlaub mal ausprobieren!!!

  5. Anonymous

    Neulich erst hab ich mich in ein Körbchen verguckt, dass aus Jerseystreifen oder Zpagetti gehäkelt war.
    Wenn ich das jetzt bei dir so lese, fragt sich, wieviel Stand die haben… ich hab noch nie Körbchen gehäkelt, daher habe ich mich mit der Frage nie befasst. Na, damit befass ich mich dennoch ein andermal, derzeit bin ich ja gut bedient.
    Aber ich werde mich dann nochmal in deinen Artikel hier vertiefen, dankeschön 🙂

    S.

  6. Ich muß gleich mal gucken, ob ich noch Paketschnur habe… einen Rest Leinen-Baumwollgarn hätte ich gerade eh noch übrig. Echt genial, die Idee!

    Und wie gut, daß ich deine Bücher habe, wenn du befürchtest, daß es sie bald nicht mehr gibt.

    Könnte man das mit Alterfil S80 oder nicht auch machen, wenn man was filigraneres haben will? Aus dünnerem Garn?

    Oder mit Wäscheleine die durchschimmert fürs Bad?

    • durchschimmern ist eine gute Idee!!!! Übrigens hatte ich das Nähgarn von Alterfil seinerzeit getestet, und kam nicht damit klar, zumindest nicht für das was ich damit machen wollte… es rollt sich ganz fürchterlich als fertiges Häkelteil…..

  7. Das ist echt toll ! Das würde ich auch gerne mal machen. LG
    Christine

  8. Schöne Pastellfarben hast du dir für das Körbchen ausgesucht.
    LG sabine

    • Das waren Reste. Aus irgendeinem schrägen Grund wird in letzter Zeit alles hellgrün/hellblau/rosa. Das psssiert einfach, und mittlerweile mag ich es. Die Eierbecher waren die ersten Objekte, die ich letzte Woche bewusst in dem Farbschema gekauft habe… ulkig.

  9. WOW! GENIAL! Ein supertolles Tutorial! Danke dafür 😉

    LG
    SelMama

  10. Ach, du kannst schreiben…..ich muss das noch mal genauer durchlesen, weil ich natürlich gleich so was machen möchte! Ich hatte mal eins mit Kordel gehäkelt, meine Güte, was ne Qual. Meine Pfoten haben geschmerzt!Aber so ist das auch ne gute Idee!
    Jetzt muss ich nur noch günstig Kordel finden. Das ist nicht so einfach.
    Und noch was Häkeliges möchte ich wissen von der Fachfrau: Es gibt solche Muster, da sticht man von hinten nach vorne über das folgende Stb od. fM ein, kennst du die? Wie heißt denn bloß so etwas und gibt´s da mehrere Muster? Wenn ich nur wüßt´, wo ich immer meine Merkzettel zum Drandenken in Sicherheit bringe….

    Was ich aber eigentlich wissen möchte, ich hatte schon das 1. Buchprojekt ein winzig kleines bisschen verfolgt, aber niergendwo gelesen, wo ich es kmplt (komplett) lesen könnte. Also- wo? Sag!

    Siggi

    • Meine Kordel ist nur doofes Paketband. Gute Hanfkordel bekommt man im Baumarkt, man braucht ja nicht so viel davon, weil es nur mitläuft. Wie weh Kordel tut, die durch die Finger läuft weiß ich: Als ich mal Flachs spinnen wollte, und keinen auftreiben konnte, habe ich Dichtungshanf aus dem Baumarkt genommen… das tat weh 🙁

      Ich vermute der Häkelstich den Du meinst ist die Reliefmasche, google die mal, da sticht man von hinten herum wenn man die Rückreihe häkelt.

      Meine Bücher waren Häkelbücher, google mal meinen Namen + Buch. Aber die werden bestimmt bald aus dem Verkehr gezogen.

    • Ich fasse es nicht – Hanf spinnen mit Dichtungshanf. Also neee, du weißt dir zu helfen. Pffffff. Aber generell ist so ein Baumarkt eine Fundgrube, gell! Ich bin auch gern dort.

      Ach, und die Reliefmaschen waren von dir? Das ist ja ´n Ding. Na, dann guggel ich mal.
      Danke!

    • Das mit dem Buch war ein Missverständnis, ich dachte, du hättest noch etwas geschrieben – bei einem Wettbewerb. Da war doch mal was….eine Geschichte? Ich finde das auch nicht mehr.

    • nee, die Reliefmasche hab ich nicht erfunden (leider) nur angewendet. Die Sockenmasche war auch nicht neu, aber ich habe ihr den deutschen Namen gegeben, das wird wohl mein einziger „claim of faim“ bleiben. 🙂

      Wettbewerb wird bestimmt der „nanowrimo“ gewesen sein, googel den mal, das ist schwer hier zu erklären. 50.000 Wörter in 1 Monat oder so. Nie! Wieder!

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