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Projekt Avalon- die Material-Analyse



Gewissenhafte Kostümschneider fangen bei der Wahl des Stoffes an. Da morgen mein Lieblingsstoffhändler geöffnet hat, habe ich mir heute die Stoffe meines Wunschkleides vom „Projekt Avalon“ genauer angesehen.

Leider ist die TV-Produktion nun schon sagenhafte 11 Jahre alt, internettechnisch ist das eine Ewigkeit. Vielleicht wegen dieser langen Zeitspanne findet man wenig über die Kostüme der Serie.

Zu vielen großen Kinofilme gibt es später Ausstellungen mit „Props“, das sind die Requisiten eines Films. Ich war seinerzeit in der „Herr der Ringe“-Ausstellung in London, und während mein Mann seinen Spaß mit Waffen und Kettenhemden hatte, klebte Bärbel mit der Nase an den Vitrinen mit dem Klamotten. Stoffe sehen aus der Nähe immer anders aus als auf den besten Bildern.

Selten jedoch ist ein Hobby-Kostümbildner so geschockt wie ich, als ich in „Braveheart“ mit Mel Gibson eine Lady im vermeintlichen Pannesamt-Fummel sah. Ich würde was drum geben, wenn ich die Originalkleider von Königin Isabelle mal aus der Nähe sehen könnte. Angeblich waren sie aus Seidensamt gefertigt, in einer authentischen, zeitgenössischen Technik. Mein Hirn schreit trotzdem „Pannesamt“, wenn ich den Film sehe.

Ganz anders reagiert mein Unterbewusstsein, wenn ich mir Close Ups von den Avalon-Klamotten anschaue. Es mag sein, die Dame von Welt im gedachten Arthur-Szenario trug in Wirklichkeit auch edlen Seidensamt, aber viel echter und realistischer schauen die groben, sackartigen Fummel aus, die von den Designern James Acheson und Carlo Poggioli für Avalon entworfen wurden.

So stelle ich mir Mittelalter vor: Handgewebter Stoff, mit den örtlich erhältlichen Pflanzen eingefärbt. Von Hand zusammengenäht, je nach Talent der Trägerin oder der Zofe. Kein Modedesigner konnte damals die raffinierten Schnitttechniken beisteuern, die wir heute gewohnt sind. Also haben alle Kleider einen „loose fit“ und sitzen bei allen Ladies recht leger. Den Schnitt nehme ich beim nächsten Mal unter die Lupe.

Da ich die Videos des Films nicht besitze, habe ich nach Nahaufnahmen der Kleider gesucht, aber nicht sehr aussagekräftige Bilder finden können. Die meisten Informationen gibt dieses Bild preis, auch wenn es sich dabei um ein ganz anderes Kleid handelt:

Dieser Stoff ist gradezu „oll“, und erinnert stark an billiges Sackleinen. Aber Hand auf´s Herz: Besser bekäme ich das auch nicht hin, wenn man mir Wolle, eine Spindel und einen Webstuhl geben würde. Darum gehe ich davon aus, dass mein Wunschkleid ebenfalls aus sehr grobem Stoff besteht.

Allerdings verwirrt mich das Bild unten, die Struktur scheint so grob zu sein, dass es eigentlich durchsichtig sein müsste. Ich kann mir keinen Reim darauf machen. Vielleicht würde das Originalbild der DVD Aufschluß geben, aber kaufen werde ich sie darum nicht.

Vom Fall der Ärmel des nächsten Bildes kann man schon erahnen, dass der Stoff dick und schwer ist. Die Ausschnittborte scheinen aus dem gleichen Stoff zu sein wie das Futter der Ärmel und das Band am Oberarm. Also brauche ich einen sehr groben Stoff mit Handwebcharakter, sowie einen groben brokatähnlichen Stoff mit Muster.

Source: ivid.it via Baerbel on Pinterest

Bei dem gemusterten Stoff muss ich ständig an Omas alte Gardinen denken, die perfekt geeignet wären, aber der Himmel weiß ob ich die irgendwo wiederfinde.

Da ich das Kleid nur als Anhaltspunkt für einen gewünschten Look benutze, ist das Muster des Stoffes wurscht, ich liebäugle ja immer mit keltischen Bändern, aber dann passt die Blende an Ausschnitt und Ärmel nicht zum Ärmelfutter… ich denke da lasse ich mich von dem überraschen, was der Stoffladen hergibt.

Drückt mir die Daumen, dass ich morgen fündig werde.

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