Kennt ihr den großen Lehrer der Hobbykunstszene, Bob Ross? Der 1995 verstorbene Maler hatte mit seiner unvergleichlich freundlichen Art so vielen Menschen gezeigt, dass in jedem ein großartiger Künstler steckt, man muss ihn nur entdecken.

Mit den unzähligen Videos von ihm im Kopf malen, bastle und zeichne ich so oft und versuche einen Weg zu finden, wie jeder das tun kann. Auch wenn jemand denkt, er hätte kein Talent. Denn wer einen Stift oder Pinsel halten kann, der kann sich damit auch ausdrücken!

Ich bin kein zweiter Bob Ross, aber ich sehe so oft die neuerdings allseits beliebten Art Journals und stelle mir vor, wie jeder der Lust auf freies Malen hat, das auch ohne zeichnerisches Talent schaffen kann. In der vergangenen Woche habe ich an einer Idee gearbeitet, die sich aus vielen Elementen zusammensetzt. Und alle Elemente sind seit vielen Jahren bekannt. Trotzdem ist es manches Mal die leicht abgewandelte Kombination altbekannter Inhalte und Ideen, die das Fünkchen für Neues entfacht.

Heute möchte ich allen sagen, die denken sie können nicht malen: Ihr könnt das. Mit ein bisschen Hilfe.

Die Materialien:

Momentan gibt es in vielen Discountläden sehr preisgünstige Leinwände zu kaufen. Ob diese eine gute Qualität aufweisen ist zweitrangig, denn für unsere ersten Übungen brauchen wir kein teures Material. Besorgt euch eine Leinwand in einem für euch gefälligen Format.

Um euer Bild auf die Leinwand zu bringen, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Wer sich rein gar nichts traut, der bestellt sich eine Foto-Leinwand mit dem Bild seiner Wahl. Viel preisgünstiger und kreativer ist es aber, das Bild selbst auf die Leinwand zu übertragen. Ich teste zur Zeit verschiedene Wege aus, und mein erster Versuch bestand aus einem Tintenstrahl-Druck eines Scans. (Ich werde weitere Techniken ausprobieren und euch zeigen!!! Schaut bald wieder rein, denn es gibt bessere Wege und ich arbeite daran)

Ich habe ein altes Foto aus Familienbesitz gescannt, welches ich „malen“ wollte. Der Druck muss seitenverkehrt ausgedruckt werden!!!

Um den Druck auf die Leinwand zu übertragen benötigt ihr ein Medium. Es werden viele verschiedene Medien angeboten, ich bevorzuge das Strukturgel von Marabu. Versucht es mit einem Medium eurer Wahl, dabei sollte das Gel das Bild quasi „aufsaugen“.

Weiterhin braucht ihr natürlich Farben um damit zu malen. Das liegt nun ganz bei euch, ich benutze Acrylfarben von Marabu. Nehmt was ihr im Fundus habt.

Wenn ihr das Bild noch weiter gestalten wollt sind eurer Phantasie keine Grenzen gesetzt. Lasst eurer Phantasie freien Lauf!

Anleitung:

Streicht die Leinwand mit eurem Gel ein, das geht mit einem Palettmesser am besten. In das Gel legt ihr euren Druck, MIT DER BEDRUCKTEN SEITE NACH UNTEN. (Darum auch der spiegelverkehrte Ausdruck) und streicht über das Papier, so dass der Druck sich mit dem Gel verbinden kann.

Das muss nun völlig durchtrocknen. Ist dies geschehen, feuchtet ihr das Papier von hinten an und rubbelt mit den Fingern oder einem feuchten Tuch so lange über das Papier, bis es sich löst. Da ich einen Tinten-Druck benutzt habe musste ich dabei vorsichtig vorgehen, um das Bild nicht wieder abzurubbeln.

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Nun kann der Spaß losgehen! Ich habe den Druck mit einer verdünnten Schicht Gesso übermalt, um eine griffige Basis für meine Malerei zu haben. Mit meinen Acrylfarben habe ich nun das Bild übermalt wie es mir gefiel. Wie ihr seht muss man kein großer Künstler sein, um malen zu können.

Wer nun meint, diese Art der Malerei ist unkreativ, der muss es ja nicht tun. Ich persönlich bin durchaus in der Lage, auch freihändig zu malen. Aber wie viele Menschen würden sich gern künstlerisch ausdrücken, und wagen es nicht weil sie eben nicht frei aus der Hand malen können.

Für alle die sich nicht trauen oder es bisher vergeblich versucht haben ist diese Technik eine große Hilfe. Nun kann wirklich jeder malen, wie es schon Bob Ross behauptet hat.

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Ich habe sogar Textilfarben zum Malen benutzt, was man benutzt ist egal, Hauptsache ihr habt Spaß dabei!

Um mein Bild fertig zu stellen, habe ich tief in meine Material-Kiste gegriffen: Mit Marabu Fashion-Spray habe ich weitere Effekte zugefügt, „Fireworks“-Spray von Imagine Crafts/Tsukineko kam hinzu und die Schrift habe ich mit Copics geschrieben.

Der Text soll zeigen, was auf der Rückseite des alten Fotos steht. Das Bild zeigt nämlich das alte Haus meiner Familie, welches im zweiten Weltkrieg leider einer Zeitbombe zum Opfer fiel. Niemand kam zu Schaden (sonst gäbe es mich nicht) aber das wunderschöne Haus war futsch. Meine Großmutter Ida hatte auf die Rückseite des Fotos eine Notiz geschrieben, die mir nun geholfen hat das Haus zu identifizieren:

Processed with MoldivEmil Wengenroth war mein Urgroßvater. Ich habe ihn nie kennengelernt, aber mit diesem alten Foto lebt etwas von ihm fort.

Noch ein paar Detailbilder und das fertige Bild zeige ich euch heute. Die Idee, unser altes Haus zu „malen“ kam mir als ich die Challenge von Susi Froebelsternchen sah, eines meiner Vorbilder im Mixed Media Bereich. Zu all den anderen wundervollen Bildern geht es HIER lang.

Wie gesagt habe ich grade erst begonnen, diese Technik umzusetzen. Ich habe bereits weitere Projekte geplant und hoffe, ihr findet viele Anregungen für euer eigenes künstlerisches Schaffen dabei.

Eure Bärbel

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Facebook Comments
  1. Lovely creation with your photo transfer…
    brilliant use of a photograph!
    oxo

  2. Huhuuu Bärbel!

    Toll! Sowohl die Anleitung als auch dein fertiges Bild.
    Deine schöne Anleitung ist perfekter Lockstoff. Wunderbares Angestiftel, mal wieder was Neues auszuprobieren und über den Tellerrand rauszugucken.

    Und es ist wirklich so: Jeder kann malen.
    Ich bin der beste Beweis, ich kann nämlich auch nicht malen.

    Und trotzdem – seit ungefähr 3 Monaten hab ich schon keinen Schmuck mehr gemacht (und ich hab anhaltend üüüberhaupt keinen Bock drauf), weil ich komplett in die Welt der Farben, Stifte, Pinsel, Stempel, Stencils, Masken, Papiere und Zahnpastadeckel abgetaucht bin. Und für zwischendurch und unterwegs hab ich Zen Doddling für mich entdeckt. Und Boesner (gaaanz böser Laden) ist meine 2. Heimat geworden.

    Ich bin deswegen das beste Beispiel, weil ich malen im klassischen Sinne schon immer langweilig fand und auch immer noch finde. Collagiert hab ich allerdings schon von klein auf gerne. Ich hab z.B. Barbie, anstatt sie hübsch anzuziehen, viel lieber die Haare abgeschnitten und die Haare dann irgend wo hingeklebt, wo ich sie viel schöner fand.
    Ich weiß schon wieder gar nicht mehr, was mich wieder angesteckt hat (irgendwie bist du aber ganz sicher mit Schuld, weil du immer wieder mal was doodlest und rumpanschst), ich weiß nur, dass ICH überhaupt nicht malen kann und dass mein Art Journal trotzdem schon 7 kunterbunt gefüllte Doppelseiten hat. :-)))

    Letzthin hab ich eine Seite gemacht, die heißt: „Wer sich nix traut kommt zu nix“.
    Also Leute, traut euch ruhig was! Ihr werdet euch wundern, was da alles bei raus kommt.

    Herzliche Grüße und *winkewinke*
    Evelyn

    P.S.: Ach ja… die Zahnpastadeckel… mit denen kann man prima Kringel machen, wenn man sie in Gesso oder Acryl (oder was auch immer) tunkt… 😉

  3. Die Technik und vor allem das Ergebnis sind einfach fantastisch und macht definitiv Lust auf nachmachen! Einzig der Begriff „Medium“, bzw. was das für ein Zeug sein soll, ist noch etwas nebulös.

  4. Das sieht umwerfend schön aus Bärbel und auch Deine Text macht Mut und Freude auf kreatives Ausprobieren…
    und
    ich fühle mich geehrt ….
    ♥♥♥

    rot werd

    lg Susi

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