DIY fashion

Geplatzt



Heute Nachmittag bin ich fast geplatzt. Vor Wut. Mein Mann und 98% meiner Freunde meinen immer, ich solle mich nicht so aufregen. Und eigentlich bin ich ja auch ein geduldiger Mensch. Aber in den letzten Jahren sind mir so viele Unsinnigkeiten und Unstimmigkeiten begegnet… das summiert sich und irgendwann macht es dann peng.

Und das kam so:

Ich rege mich gern über 3 Dinge auf: 1) Ungerechtigkeit. 2) Selbstherrlichkeit 3) die deutsche Kreativ-Szene, die aber nicht kreativ ist sondern immer nur ins Ausland schielt um die neusten Trends dort abzukupfern. Kann sein da gibt es noch eine Nummer 4 bis 100, aber ich bin zu aufgeregt um darüber nachzudenken.

Nummer 1 bis 2 begegnen mir tagtäglich vor der Haustür, und das meine ich wortwörtlich. Aber das ist eine andere Geschichte. Nummer 3 begleitet mein ruhiges Gemüt nun schon eine ganze Weile. Dabei fiel mir als Hobby-Bastler zunächst garnicht so sehr auf, dass die Deutschen nur noch abkupfern können. So richtig bewusst wurde mir das als „Profi“, in der Zeit als ich einen Bastelladen hatte. Man will den Kunden die neusten Trends bieten, und als Stempler war man damals auf Input aus den USA geradezu angewiesen.

Nun gut, dachte ich, das Hobby ist hierzulande nicht so bekannt und in die USA zu schielen ist nicht schlimm. Denkste. Als ich dann amerikanische Firmen kennenlernte und eine große Messe in USA besuchte, fiel mir auf, dass Trends die dort Erfolg haben mit einiger Zeitverzögerung bei uns in stark abgeschwächter Form aufgegriffen werden.

Ok, das Thema WindowColor lassen wir mal außen vor. Das Produkt kam zwar aus USA, aber ich wüsste nicht dass es jemals dort so irrsinnig groß geworden ist wie bei uns. Wie dem auch sei- die Amis, oder generell der anglo-amerikanische Raum, haben uns immer kreativ eine Nasenlänge voraus. Ebenso der skandinavische Raum. All diese Ländergruppen habe eigene Traditionen, was das Basteln und Handarbeiten angeht.

Klar, die haben wir auch, aber da tut sich irgendwie nix. Alles was es bei uns immer schon gab bleibt oll, neue Impulse kommen von außen. Vielleicht habe ich nicht das ganze Bild vor Augen, aber das ist nun mal das Bild das ich sehen kann.

Bestätigt wird das oft, wenn ich deutsche Publikationen sehe. Die wenigen Verlage teilen sich im Großen und Ganzen den Markt, und ähneln sich in Stil und Themen. Ich könnte jetzt aus dem Nähkästchen plaudern, bin mir aber nicht sicher ob mein Ex-Verlag mich dann verklagen wird.Wen es interessiert wie die Verlage hierzulande arbeiten, dem sei ein kritischer Blick auf amazon empfohlen, man wundert sich wie sich manche Titel ähneln. Das liegt nicht daran dass einer vom anderen abkupfert, sondern dass jeder auf Nummer sicher geht. Und was grade „in“ ist macht jeder der Verlage.

Klar, das ist verständlich. Keiner will das Geld für die Produktion zum Fenster rauswerfen. Aber neue Ideen entstehen da nicht, wenn man sich nichts traut.

Wie angenehm überrascht war ich da, als ich auf einer Messe ein Strickbuch sah, das meiner Meinung nach wunderschön und magisch war. Der genaue Blick in den Buchdeckel förderte es zutage: Der Titel war 1:1 ins Deutsche übersetzt worden. Ein englisches Buch mit deutschen Texten. Toll. Wie kreativ.

Es ist nun nicht so, dass es in Deutschland an kreativen Köpfen mangelt. Sie werden nur nicht gehört. Es sei denn man blogt über Mode und Lifestyle, dann ist es hip. *seufz* (Nein, ich meine NICHT Freunde wie Ari! Eher die knallbunten Mainstreamer, aber das ist eine andere Geschichte)

Der Prophet gilt im eigenen Lande nichts. Und das war der Punkt, an dem mir heute der Kragen platzte. Ich wollte auf der Seite der Bastelmesse „Creativa“ etwas nachschlagen, und stolpere über eine blogseite der Creativa (können Messen bloggen?):
http://blog.creativa.info/maennerhobby-stricken/

Aha. Männer stricken jetzt. Die beiden Jungs aus Skandinavien sind total angesagt, und bringen des brandneue Hobby Stricken nun auch endlich nach Deutschland.

Erstens: Männer haben schon im Mittelalter gestrickt. Und das weiß ich von einem Mann. Welche Frau will sich schon mit solch nutzlosen Wissen belasten? *Ironie*

Zweitens: Es gibt deutsche Handarbeitsprofis, die stricken. Und Bücher darüber schreiben. Und sich auf Messestände damit stellen. Jahrein, jahraus. Ein Trend? Nö, nur pure Kreativität, Können und eine riesige Portion Geduld, denn all die blöden Sprüche, die dieser junge Mann sich schon anhören musste könnten eigene Bücher füllen.

Und jetzt machen das zwei Jungs aus dem Norden, und auf einmal ist es „neu“ und trendy? So wie Häkeln auf einmal hip ist, wenn irgendwelche amerikanischen Filmsternchen das machen?

Sowas regt mich auf. Wo sind unsere Traditionen, Ideen und vor allem: Unser Selbstbewusstsein? Muss erst ein Schwede stricken, damit das cool ist?

Nix gegen den kreativen Austausch mit anderen Ländern. Erfahrungsgemäß führt jede kulturelle Interaktion zu einer Bereicherung beider Parteien. Doch wo sind die deutschen Inspirationen in USA,  GB oder Schweden? Gibt es die? Abseits von Brezel und Oktoberfest?

Wo nur? Wo sind sie, die Dichter und Denker? Und Stricker und Häkler? Macht UNS irgendjemand etwas nach? Ich würde mich freuen, wenn mich hier jemand eines Besseren belehrt.

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